Gedanken zum Monatsspruch

Liebe Leserinnen und Leser unseres Gemeindebriefes,

zwei Sommermonate liegen vor uns, der Juli und der August; und sehr annehmliche Vorstellungen verbinden sich mit diesen Monaten: Sommer, Sonne, Urlaub, Erholung … Für manch Eine/n wohl auch die Hoffnung und Aussicht, Abstand nehmen zu können; Abstand von Problemen und Auseinandersetzungen unter uns, die beschäftigen und Kräfte zehren. Ein ermunterndes, einfach verheißungsvolles Wort, mitzunehmen auf den Weg in diese Zeit hinein, das könnten wir wohl gebrauchen. Etwas in der Art wie „Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben!“ Aber das ist kein Bibelwort, „nur“ ein Gesangbuchvers; und als biblische Leitworte durch die Wochen und Monate des Jahres hindurch haben wir die Losungen.

„Losung“, das meint so viel wie „Parole“ – zum einen, zum anderen aber das in zufälli- ger Auswahl „Ausgeloste“, und das ist nicht immer das, was wir meinen, gerade gut gebrauchen zu können. Die Monatssprüche für Juli und August sind dafür ein Beispiel: Prophetenschelte und -anweisung der eine, kritisch-konstatierendes Jesus-Wort der andere.

Dass der Herrgott rechten will mit seinem Volk – im Allgemeinen und im Einzelnen – dass er heimsuchen und vergelten will, dem jeweiligen Tun und Wandel entsprechend, und dass ein Blick in die Verhaltens-Geschichte des Volkes zeigt, wie wenig Gutes da zu finden ist, wie viel mehr Gott-Vergessenheit, Lüge und Gewalttat, Unehrlichkeit und Betrug, das steht beim Propheten Hosea; und dann die Anweisung:

So bekehre dich nun zu deinem Gott, halte fest an Barmherzigkeit und Recht und hoffe stets auf deinen Gott!

(Hos. 12,7.)

Und im Evangelium nach Johannes steht im achten Kapitel zunächst die Geschichte von Jesus und der Ehebrecherin, deren gesetzesgemäße Verurteilung und Hinrichtung infol- ge der Aufforderung Jesu: „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie!“, unterbleibt. – Dann redet Jesus weiter und spricht das uns ebenso bekannte und gewichtige Wort: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ – und erntet da- mit harsche Zurechtweisung: „Du gibst Zeugnis von dir selbst; dein Zeugnis ist nicht wahr.“ Jesus antwortete darauf und sprach zu ihnen: „Auch wenn ich von mir selbst zeuge, ist mein Zeugnis wahr; denn ich weiß, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe. Ihr richtet nach dem Fleisch, ich richte niemand.“ – oder anders übersetzt:

Ihr urteilt wie Menschen urteilen, ich urteile über keinen.

(Joh. 8,15.)

„Nach dem Fleisch richten“ heißt: nach innerweltlichen Maßstäben und nach der äuße- ren Erscheinungsweise ein Urteil fällen. Zwei Bibelworte also, die mit unseren auf die Sommermonate bezogenen Vorstellungen und hoffnungsvollen Erwartungen auf den ersten Blick wenig zu tun zu haben scheinen. Vielleicht aber doch auf den zweiten Blick hin? Denn der Sommer mag schon Zeit und Gelegenheit geben, Abstand zu nehmen – Abstand zu gewinnen von dem im „normalen“ Alltags- und Gemeindeleben Erlebten, dem von einem selbst Beförderten und auch Erlittenen – aus dem Abstand heraus hinzuschauen und hineinzuhorchen – mit den mahnend-anweisenden Worten des Hosea und den kritisch-konstatierenden Worten Jesu im Sinn.

Eine solcherart gute, erholsame und erfreuliche Sommerzeit wünsche ich uns allen!

Ihre Pfarrerin Dagmar Tilsch

Über Gemeindebrief

Der Gemeindebrief erscheint zum Anfang eines jeden Monats. Er beinhaltet Artikel über Gott und die Welt, lässt Geschehenes Revue passieren und erinnert an bevorstehende Feste und Aktionen.

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