“Ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinen Mühen, das ist eine Gabe Gottes.“ Dieser Spruch, der im Losungsbuch der Herrnhuter Brüdergemeine für den Monat September ausgelost wurde, stammt aus dem Buch Kohelet des alten Testaments (wörtlich übersetzt: „Der Sammler“), das von Luther „Der Prediger Salomo“ genannt wurde.
Auf den ersten Blick scheint dieser Satz unglaublich banal, es ist nichts dahinter, denkt man. Umso mehr wundert man sich, wie dieses Buch beginnt. Es ist eine einzige, pessimistische Klage über das Leben. „Alles ist eitel“ heißt es immer wieder, „alles ist eitel und Haschen nach Wind.“ Ein ewiger, sinnloser Kreislauf: „Und geschieht nichts Neues unter der Sonne“ – noch heute ein geflügeltes Wort (wie überhaupt die Hälfte aller „geflügelten Worte“, die wir oft ahnungslos benutzen, aus einem einzigen Buch stammt – aus der Bibel).
Der so deprimiert spricht, ist keiner, der sein Leben lang erfolglos gewesen wäre. Der es spricht, Salomo, der dritte König Israels nach Saul und David, hat eine positive Lebensbilanz. „Ich bin herrlich geworden und habe mehr Weisheit als alle, die vorher gewesen sind“, sagt er. „Ich tat große Dinge; ich baute Häuser, pflanzte Weinberge, machte mir Gärten und Teiche; ich hatte Knechte und Mägde, eine größere Habe an Rindern und Schafen denn alle; ich sammelte Silber und Gold, schaffte mir Sängerinnen und Saitenspiel. Und blieb meine Weisheit bei mir.“ Doch, klagt er dann: „Die künftigen Tage vergessen alles, und wie der Narr stirbt, so stirbt auch der Weise. Und mich verdross alle meine Arbeit, dass ich dieselbe einem Menschen lassen müsste, der nach mir sein sollte und nicht daran gearbeitet hat. Denn wer weiß, ob er weise oder toll sein sollte?“
Wir wissen es heute – dass das Reich nach seinem Tod zerfiel, in das Nordreich Israel und das Südreich Juda. Wir wissen, dass der Salomonische Tempel, der größte vorher und nachher, zerstört wurde. Denn „ein jegliches hat seine Zeit,“ heißt es weiter im Buch Kohelet, „und alles Vornehmen unter dem Himmel hat seine Stunde: geboren werden und sterben, pflanzen und ausrotten, was gepflanzt ist, würgen und heilen, brechen und bauen, weinen und lachen, klagen und tanzen, Steine zerstreuen und Steine sammeln, herzen und ferne sein von Herzen, suchen und verlieren, behalten und wegwerfen, zerreißen und zunähen, schweigen und reden, lieben und hassen, Streit und Friede hat seine Zeit.“
Und wir – können nichts dazu tun? „Man arbeite wie man will, so hat man keinen Gewinn davon. Er aber tut alles fein zu seiner Zeit und lässt ihr Herz sich ängsten, wie es gehen solle in der Welt; denn der Mensch kann doch nicht treffen das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.“ Was dem Menschen bleibt, ist sich zu stärken so gut er kann und „einen guten Mut bei all seiner Arbeit“ zu haben. Was ihm bleibt, ist sagen zu können: Was ich getan habe, habe ich gern getan.
