Andacht Februar 2012

Als Psalme bezeichnet man die 150 Lieder und Gedichte, die in der Bibel im Buch der Psalmen vereinigt worden sind. Klagend, zweifelnd, bittend und dankend wird Gott angerufen – damals vor ungefähr 3000 Jahren, aber auch noch heute in der Gegenwart: 

Im Psalm 42 klagt der Beter: „Ich versinke im tiefen Schlamm, ich finde keinen Grund unter meinen Füßen. Die Fluten rauschen daher, und eine Tiefe ruft die andere; alle deine Wasserwogen und Wellen gehen über mich.“
Und heute? Wie soll ich ertragen, dass das Leben jede Sicherheit verloren hat? Wie kannst du es zulassen, dass ich ein schutzlos Getriebener bin? Gott, wo bist du, wenn die Menschen in Kriegen ihrer Würde und ihres Lebens beraubt werden? Wie kannst du es zulassen, dass Kindern Gewalt angetan und ihnen die Zukunft genommen wird?

Im Psalm 142 bittet der Beter: „Ich schreie zum Herrn mit meiner Stimme, ich flehe zum Herrn mit meiner Stimme. Herr, zu dir schreie ich und sage: Du bist meine Zuflucht. Höre auf meine Klage, denn ich werde sehr geplagt.“
Und heute? Ich weiß, du, Gott, wirst mich nicht fortschicken. Ich weiß, du wirst meine Bitte erhören. Darum wende ich mich an dich, wenn mir die Nachrichten der Welt den Schlaf rauben. Ich wende mich an dich, wenn die Zerrissenheit in der Gemeinde mich umtreibt. Ich wende mich an dich, wenn meine Augen voller Tränen sind, wegen der Fehler, die auch ich gemacht habe. Bitte hilf du mir.

Im Psalm 22 verzweifelt ein Mensch: „Eli, Eli, lama asabtani: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“
Und heute? Da sind Zweifel an der Gegenwart Gottes, damals beim Beter des Psalms, dann bei Jesus am  Kreuz und heute bei mir.
Zweifeln kann man ebenso an sich selbst und an anderen.  An der Wahrheit oder dem Sinn.  Aber Zweifel heißt, es hat zwei Teile. Zwei Sichtweisen, zwei Möglichkeiten.  Zwei – das hat immer ein Gegenüber. Solange ich zweifle Gott, bist du da.  Du lässt dich von mir hinterfragen und anfragen. Gott, sei du es, der mir über meinen Zwiespalt eine Brücke baut. Und komm mir entgegen, bevor ich zerbreche an Verzweiflung.

Dankend ruft der Beter im Psalm 103: „Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! Lobe den Herrn, meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“
Und heute? „Meine Seele“ – das heißt doch: Ich spreche nicht nur so oberflächlich mit mir selber. Nein, ich spreche mein Innerstes an, sozusagen mich ganz persönlich. Ich fordere meine Seele auf, meinen Blick für das Schöne und Gute zu schärfen, denn Lob baut auf. Wenn ich mich selbst auffordere, das Gute nicht zu vergessen, dann sehe ich die Menschen, die Gott mir zur Seite gestellt hat, die mich halten, mich trösten, mit denen ich lachen und feiern kann. Und so öffne ich meine Augen, um die Schönheit der Schöpfung bewusst wahrzunehmen und dankbar das Leben zu genießen.

Ich wünsche Ihnen allen einen schönen und angenehmen Februar …
Ihr Sven Steinbach

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